Hausarzt im Zentrum der Versorgung
Karriere Thu, 10.09.09
Der Hausärztetag 2009 war erneut ein voller Erfolg. Über 150 Hausärzte und 120 medizinische Fachangestellte nahmen an den Fortbildungsveranstaltungen auf hohem Niveau teil und verfolgten eine spannende Podiumsdiskussion. Der Saal war fast bist auf den letzten Platz besetzt und Prominenz aus den Bereichen Ärztekammer, Politik, Krankenkassen und KV hatte den Weg zu uns gefunden.
Auf der Grundlage des Gutachtens des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen stellte zunächst Dr. Meiser die Situation und die Problemanalyse dar. Daraus abgeleitet wurden Lösungsansätze deutlich gemacht. Orientierung am Patientenproblem und Teambildung müssen zentrale Ansatzpunkte werden. Frau Tödte (Patientenberatung Saar ) machte insbesondere dies als Anliegen der Versicherten deutlich. Ob Gemeinschaftspraxis, Netzwerk, Ärztehaus, Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen, Ausbildung unserer MFA zur Versorgungsassistentin (VERAH), all diese Maßnahmen werden nebeneinander ihre Bedeutung gewinnen.
Dr. Jesinghaus (Facharztforum) betonte, dass sich auch die Fachärzte eine engere Verzahnung wünschen. Eine Konzentration auf die zentralen Aufgaben fachärztlicher Versorgung, werde durch eine stabile hausärztliche Versorgung erst möglich.
Hausärzteverband, KV und Politik müssen zusammen mit den Krankenkassen die Rahmenbedingungen schaffen. Dies bestätigten auch Frau Firk von der AOK Saarland und Herr Nossek vom BKK Landesverband.
Wir benötigen auch weiterhin eine flächendeckende, sozial ausgewogene Grundversorgung für alle, an 365 Tagen im Jahr. 30% der saarländischen Hausärzte werden in den nächsten Jahren ihre Tätigkeit einstellen. Nachwuchs ist nicht ausreichend in Sicht. Dr. Hauptmann Kassenärztliche Vereinigung machte dies an sehr eindrücklichen Zahlen deutlich. Er geht davon aus, dass bei Fortsetzung des jetzigen Trends die Zahl der Hausärzte im Saarland in den nächsten 10 Jahren von 636 auf 450 sinken wird.

Fotos Dr. Martin Hoffmann
Bei der jetzigen Altersstruktur reichen die bisherigen Maßnahmen jedoch nicht aus. Es müssen bundesweit, aber auch bei uns im Land dringend Maßnahmen ergriffen werden, die Versorgung auch in der Zukunft zu sichern. Wir fordern ein Sofortprogramm zur Sicherung der flächendeckenden hausärztlichen Versorgung als medizinische Grundversorgung für alle
- Sicherung der Ausbildung
durch Einrichtung eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin
- Sicherung der Weiterbildung
o durch verpflichtende Rotationsstellen in den Krankenhäusern
o Absicherung der wirtschaftlichen Existenz
o gleiches Einkommens für Ärzte in Weiterbildung in Klinik und Praxis
Durch Staatssekretär Schild (CDU) wurden diese Forderungen eindringlich unterstützt.
Die saarländischen Hausärztinnen und Hausärzte wollen qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einstellen, um die Aufgaben Kooperation, Überleitung, Langzeitbetreuung und Case-Management zu übernehmen. Wir stellen uns dieser Aufgabe und haben auch die Voraussetzungen dafür geschaffen.
Nur die neuen Versorgungsverträge können die finanziellen Rahmenbedingungen schaffen, damit diese strukturellen Anpassungen auf den Weg gebracht werden. Dies bestätigte auch der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, der bestätigte, dass neue Mittel für neue Aufgaben nur über neue Verträge ins System kommen können.
In der Folge wurde noch heftig über die bekannten Probleme der Arzneimittelpreise und Verordnung, Bevorzugung stationärer Einrichtung, DMP und weitere Erschwernisse der täglichen Arbeit diskutiert.
Die Reihe der Fortbildungen wurde am Nachmittag fortgesetzt. Alle Veranstaltungen zeichneten sich durch die Prinzipien des Instituts für hausärztliche Fortbildung (IhF) – Hausarztzentrierung, Produktneutralität und Evidenzbasierung – aus. Deshalb können diese Veranstaltungen auch nicht kostenfrei angeboten werden. Die Veranstaltungen für MFA: VERAH, Wundmanagement und Impfmanagement waren außerordentlich gut besucht. Auch die Ärztinnen und Ärzte zollten den Veranstaltungen zu Diabetes im Alter, Leitlinie Geriatrie und zum Wirbelsäulenuntersuchungskurs mit praktischen Übungen höchstes Lob. Fortbildung auf hohem Niveau!
So macht Hausärztetag Freude: Fortbildung praxisnah auf hohem Niveau, berufspolitische Informationen aus erster Hand und Hintergrundgespräche mit Vertretern aus Politik, KV und Krankenkassen.
Dr. med. Joachim Meiser
1.Vorsitzender
Saarländischer Hausärzteverband
